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Mike is in the Air

Amerika hält den Atem an, weil Michael Jordan um sein Comeback ringt. Und diesmal stehen die Chancen besser denn je. Bulls im Keller, Baseball am Ende, und ein Jordan, der mit gerade mal 32 Jahren immer noch vor Ehrgeiz brennt.

Donnerstagmorgen, 9. März. Das Vormittagstraining der Bulls hat noch nicht begonnen, trotzdem stehen zwei Spieler einsam auf dem Parkett und schießen Serien auf den Korb. Es sind Toni Kukoc - und Michael Jordan. Wie ein Buschfeuer frisst sich plötzlich ein Gedanke durch Amerika: Jordan is back. Zurück auf dem Court, den er am 6. Oktober 1993 verlassen hat. Nach seiner dritten Meisterschaft in Folge mit den Chicago Bulls. Mit einem fantastischen Durchschnitt von 32,3 Punkten pro Match, der besten Quote, die je ein Spieler in der NBA geschossen hat.
Reine Spekulation? Diesmal nicht, denn Fakt ist: Das Training am 9. März ist das dritte in Folge mit den Bulls. Und selbst bis zum 15. März - Deadline für BASKET - hat Jordan nicht eine Übungsstunde versäumt. "Sowas hat er bisher noch nie gemacht", verrät Guard B.J. Armstrong, mit Jordan bereits '91, '92 und '93 Champion in der NBA. Und Kollege Steve Kerr will bemerkt haben, daß "er so ernsthaft arbeitet wie nie zuvor." Selbst Coach Phil Jackson läßt sich entlocken: "Ein Comeback kann Realität werden, aber es ist bisher keine Realität". Dabei hätten die Bulls Jordan nötiger denn je. Ihre faule Quote von 31 Siegen und 31 Niederlagen ist das schlechteste Ergebnis nach 62 Spielen seit der Saison 1985/86.
Fakt ist auch: "Air" hat am 10. März endgültig den Baseballschläger in die Ecke gestellt, Schluß gemacht mit Hits und Runs. Und "ohne Baseball ist die Chance auf eine Rückkehr so groß wie noch nie", glaubt auch B.J. Verständlich, daß sich daraufhin auch Quellen melden, die aus den bekannt gut unterrichteten Kreisen berichten: "Er wird wieder Basketball spielen. Es wird aber einige Wochen dauern, bis er wieder richtig fit ist. Denn er will garantieren, daß er wieder nah dran ist an seinen alten Spitzenleistungen."
Mehr und mehr entwickelt sich das Thema Jordan zum Selbstläufer. In Chicago bunkern Kartenverkäufer Tickets für die restlichen Heimspiele der Bulls, um bei einem möglichen Comeback "mit den sicherlich dann teureren Tickets" gehörig abzukassieren. Experten streiten landesweit, ob er nun zurückkommt oder nicht. "Er war der Beste, was soll er noch erreichen", glaubt John Bach, ehemaliger Assistant Coach der Bulls.Und Legende Julius Erving philosophiert auf NBC: "Menschen suchen ihr Leben lang Freiheit, Sicherheit und Unabhängigkeit. Warum soll Mike zurückkommen zu einem Spiel mit Regeln und Regularien?" Die Antwort gibt Bob Greene, Freund und Autor des Jordan-Buches "Hang Time". "Sätze wie: Er ist mit 32 zu alt, oder: Zwei Jahre Pause sind zu lange, spornen ihn nur an. Sie sind wie eine Kampfansage."
Selbst Geld ist kein Grund ein Comeback zu verhindern. Denn noch immer steht Michael Jordan auf der Gehaltsliste der Bulls - '94/95 kassiert er 5,6 Millionen Mark -, und er würde so den Salary Cap nicht belasten. Und auch die Liga legt kein Veto ein. "Er muß nur im Spielerkader auftauchen", meint NBA-Sprecher John Maroon, "ansonsten ist es die Sache des Klubs, ihn zurückzuholen und spielen zu lassen."
Also, let's go Jordan. Sag' endlich ja. "Wenn Michael seine Entscheidung treffen will, dann sollten wir ihm auch die Zeit dazu geben. Er braucht einfach die nötige Ruhe, um darüber nachzudenken", sagt Jerry Reinsdorf, der Besitzer der Bulls. Und Phil Jackson fügt noch hinzu: "Ich denke, er wird dies in einer entsprechenden Zeit auch tun, denn er ist ziemlich gut im Fällen wichtiger Entscheidungen."

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