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Jordan & Johnson
UNERSETZLICH
Niemand hatte es je geschafft, sie zu ersetzen. Nicht auf dem Court, nicht in den Herzen der Fans. Nicht Magic, und auch nicht Michael. Weil sie wahre Superstars waren
- und sind. Echter als ihre vermeintlichen Nachfolger, die nie mehr waren als die Produkte einer Liga - und es immer noch sind.
Von Dave Lewis
Michael Jordan und Magic Johnson elektrisieren die Fans in aller Welt. Sie werden geliebt und verehrt. Und das nicht allein durch ihr überirdisches Spiel auf dem
Parkett. Denn Michael und Magic sind echte SUPERSTARS...
Jeder vermeintliche Superstar ist erst einmal ein Mensch. Und aus der Masse hebt er sich nur deshalb hervor, weil er mit einem Spielzeug mehr zustande bringt als der
Durchschnittsbürger. Basketballer tun das vorwiegend mit einem meist auffällig orangefarbenen Ball, und auf einem hübsch bemalten, holzgetäfelten Spielfeld. Dort
bewegen sie dann ihr Spielgerät meist so spektakulär, daß sogar der feine Fan wie entrückt aus dem bequemen Tribünenstuhl springt. Doch selbst in einem solchen Fall
sportlicher Höchstleistung kann eigentlich nur die persönliche Eitelkeit des Athleten und seine Einfalt ihn dazu bringen, sich sodann als Superstar zu sehen.
Einer solchen Fehleinschätzung unterliegen übrigens meist Spieler, die "Punkte machen können" verwechseln mit Ausstrahlung haben. Die gute Statistiken für wichtiger
halten als guten Stil. Die einen spektakulären Dunk für entscheidender halten, als für ihre Kollegen im Team eine Führungspersönlichkeit zu sein. Spieler, die ihren
Kontostand verwechseln mit dem Grad an Charisma, und die ihre Arroganz beim Autogramme schreiben kultivieren, als würden sie mit ihrer Unterschrift Leben retten. Die
halten sich dann für Superstars, sind aber keine.
Michael Jordan und Earvin "Magic" Johnson haben so etwas nie getan. Sie haben gespielt und für das Spiel gelebt, dafür wurden sie geliebt und verehrt, und das haben
sie zurückgezahlt. Mit möglichst gleicher Münze. An den Basketball. An ihre Fans. So haben sie die Welt elektrisiert, und nicht allein durch ihr überirdisches Spiel auf dem
Parkett. Sie waren und sind nun wieder Superstars in einer Liga, die von ihnen und durch sie lebt. Gut lebt!
Jordan geht - und damit der letzte der echten Superstars
Und deshalb traf es die Basketballwelt natürlich wie ein Schock, als Michael Jordan im Spätsommer 1993 verkündete: "Ich fühle mich ausgebrannt. Ich kann das Spiel
einfach nicht mehr genießen. Ich höre auf." Ein Rücktritt, der den Sport fast paralysierte, und die National Basketball Association (NBA) selbst bis ins Mark verletzte, denn
mit Jordan hatte die Liga innerhalb von zwei Jahren bereits ihr drittes Aushängeschild verloren. Erst Earvin Johnson, den alle nur Magic nannten, im Herbst 1991 wegen
seiner HIV-Infizierung. Dann Larry Bird, den chronische Rückenbeschwerden nach dem Olympiasieg 1992 zur Aufgabe zwangen. Und nun Michael Jordan.
Damit war nicht nur Schluß mit dem magischen Spiel von Magic, mit den kühlen Schüssen von Larry und den unglaublichen Flügen von "His Airness". Viel schlimmer, es
fehlte plötzlich die spürbare Coolness und die selbstbewußte Lässigkeit von White Man Bird, und seine Freundlichkeit. Es fehlte das Lächeln von Magic und die
sympathische Fehlbarkeit eines unfehlbaren Spielmachers, und sein mitreißender Optimismus. Es fehlte die Intensität eines Jordan und das Weltmännische eines der
Welt entrückten Athleten, und sein motivierender Ehrgeiz. Kurz gesagt, es fehlten drei Superstars, echte Superstars, und die Liga stolperte hinein in einen Kollaps. Weil die
Fans Superstars wollten, nun aber bestenfalls Superspieler bekamen.
Oder war vielleicht Charles Barkley einer, der einspringen konnte als Superstar? Ein Typ, der gegnerische Fans bespuckt und in Interviews viel Blödsinn von sich gibt.
Sicher nicht, den Sir aus Pheonix liebt man, oder man haßt ihn. Ansonsten akzeptiert man ihn als das, was er ist: ein super Spieler. Schluß. Herzklopfen beim Interview?
Sicher nicht, vielleicht Unsicherheit. Angst. "Nach dem Rücktritt von Johnson und Jordan muß die NBA einen Spieler finden, der in ihre Fußstapfen treten kann", meinte
schon damals David Falk, der Manager von Michael Jordan. Einen neuen Superstar eben. Und Barkley war es nicht. Auch nicht die zu diesem Zeitpunkt schon 30jährigen
Patrick Ewing und Hakeem Olajuwon.
Die verzweifelte Suche nach einem Nachfolger
Schon bald jedoch glaubte die Liga, einen geeigneten gefunden zu haben: Shaquille O'Neal. Der lachende Riese der Orlando Magic sollte fortan Botschafter des
Basketballs spielen, sollte Faszination und Spaß am Spiel erhalten, im Hirn und in den Herzen der Menschen. Eine Aufgabe, die sich bald als eine Nummer zu groß erwies
für einen 21jährigen, der gerade erst vor seiner zweiten Profisaison stand. Die zu mächtig war für einen netten Jungen ohne Orientierungshilfen, von dem Michael Jordan
schon aus dem Exil heraus gesagt hatte: "Shaq ist ein großartiger Spieler, der ein Match dominieren kann. Doch er sollte sich ein bißchen mehr auf seinen Sport
konzentrieren. Larry, Magic und ich haben 365 Tage im Jahr für den Basketball gelebt. Wir haben jeden Tag hart gearbeitet. Ich sage ja nicht, daß Shaq faul ist. Nur soviel:
Wenn er sich richtig mit seinem Sport beschäftigen würde, wäre er ein geeigneter Nachfolger."
Tat er aber nicht! Statt dessen nahm er Rap-Alben auf, lief er in jede Talkshow, drehte Werbespots und versuchte sich als Filmschauspieler. Seine Popularität wuchs
schnell, seine sportliche Qualität jedoch nur langsam; und vom Botschafter und Superstar des Basketballs war Shaquille O'Neal bald ebensoweit entfernt wie von einer
akzeptablen Freiwurfquote. Befand selbst der Kollege Barkley: "Jordan und Johnson hatten keine Schwachpunkte in ihrem Spiel. Shaq dagegen hat noch 'ne Menge
Probleme auf dem Parkett. Er ist ein miserabler Freiwurfschütze, und die Fans kennen ihn eigentlich nur als puren Dunker. Und seine ganzen Nebenjobs sind eh' nicht gut
fürs Image. Manchmal hat man das Gefühl, daß der Kerl nur deshalb Basketball spielt, damit er diese anderen Deals machen kann. Plattenverträge, Kinofilme und so'n
Quatsch. Kein Wunder, daß die Leute ihn schon Mr. Hollywood nennen."
Wie wenig der Riese aus Orlando auch derzeit zum Nachfolger von Jordan oder Johnson taugt, bewies er zuletzt beim All Star-Weekend in San Antonio. Dort wählten die
Juroren statt Shaquille O'Neal den Rückkehrer Michael Jordan zum Most Valuable Player, was sicher kein Affront gegen Shaq war, der die Trophy eigentlich verdient
gehabt hätte. Sondern eher eine Verbeugung war vor Superstar Jordan. Doch statt mit Stil und Klasse die fragwürdige Entscheidung hinzunehmen, polterte Shaq: "Das war
doch eine abgekartete Sache, jeder hat doch gesehen, was auf dem Court abging." Selbst zu kindlichem Trotz ließ er sich hinreißen, als er verkündete: "Vielleicht komme
ich im nächsten Jahr erst gar nicht zum All Star-Game." Eine ziemlich billige Reaktion, die den auf Harmonie bedachten Sittenwächtern aus der NBA mal wieder böse
aufgestoßen ist.
Der Makel der jungen Wilden - pure Geldgier
Nicht weniger bitter schmeckt den Vermarktern der Liga schon seit längerer Zeit ein weitere, von vielen Fans als Charakterschwäche verstandene Eigenschaft, die den
eigentlich recht beliebten Shaq O'Neal zu seinen Nebenverdiensten und viele andere Youngster der frühen 90er Jahre zu unpopulären Kapriolen trieb - die Gier nach
Geld. Beispiel Chris Webber: Der Power Forward war von der Liga zu Großem ausersehen, doch schon von seiner ersten Profisaison an (1993/94) fühlte er sich
unterbezahlt, forderte von seinem Arbeitgeber Golden State Warriors fast monatlich mehr Money. Millionen, die er dann in Washington bei den Bullets bekommen hat: 57
Millionen Dollar für die nächsten sechs Jahre. Beispiel Glenn "Big Dog" Robinson von den Milwaukee Bucks, der tatsächlich vor seinem ersten Spiel den ersten
100-Millionen-Dollar-Vertrag in der Geschichte des Profisports unterschreiben wollte. Gedanken, die Michael Jordan und Magic Johnson zumindest öffentlich immer fremd
gewesen sind. Sie haben sich nach außen hin nie über schlechte Bezahlung beklagt, auch wenn sie sich oft kritisch über Gehälter und Verträge geäußert haben.
Wie ein Geschenk des Himmels erschienen dann 1994 zwei Rookies auf der Szene, Collegespieler aus der Klasse von '94/95. Zwei nette Burschen, gute Sportler, nett
anzusehen, dazu lieb und nicht dumm. Wie geschaffen, um irgendwann das Vakuum Jordan/Johnson auszufüllen. Der erste hieß Grant Hill, ein Forward vom Duke College,
nur Pick Nummer Nummer 3 beim Draft, aber in Detroit bei den Pistons schon bald der Darling aller Fans. Schon bald wird er sportlich anerkannt, dann zum Liebling aller
Schwiegermütter und bereits zur Halbzeit seines ersten Profijahres der All Star mit den meisten Stimmen. Staunend bemerkte damals selbst Exilkönig Michael Jordan aus
dem fernen Baseball: "Grant Hill kann diese Liga weiter nach vorne bringen. Julius "Dr. J" Erving hat das Schicksal der Liga in die Hände von Larry Bird und Magic gelegt,
die haben es an mich weitergegeben, und jetzt ist eben Grant an der Reihe."
Der andere Hoffnungsträger hieß Jason Kidd, sollte Playmaker in Dallas werden und brachte scheinbar alles mit, was ein Kronprinz von Magic - den er selbst als sein
großes Vorbild bezeichnet - haben sollte. Nicht nur ein fast komplettes Spiel, sondern auch Persönlichkeit und Ausstrahlung, Beredsamkeit sowie ein helles Köpfchen.
Echte Helden sind nicht perfekt, aber stehen zu ihren Schwächen - wie Michael und Magic
Als hinderlich erwies sich nur ein dunkler Punkt in der Vergangenheit, ein Autounfall mit Fahrerflucht, die der Junge während seiner Collegezeit in Kalifornien begangen
hatte. Dumme Sache sowas, denn eigentlich machen in den Staaten Helden keine Fehler. Oder sie stehen dazu und drücken sich nicht vor der Verantwortung. Oder sie
lassen sich eben nicht erwischen.
Okay, auch Michael Jordan und Magic Johnson waren nie perfekt, sind es heute nicht. M.J. hatte Probleme mit seiner Spielleidenschaft, und Magic infizierte sich mit dem
HIV-Virus. Doch beide standen sie zu ihren Schwächen, selbst allzu lässige Statements wie Magics: "Ich hatte einfach zuviel Sex mit zu vielen Leuten", schluckten die Fans
so tapfer wie bittere Medizin. Ihre Fehlbarkeit ließ sie sogar noch größer erscheinen. Kein Wunder, daß selbst der so auf Sauberkeit bedachte Commissioner der NBA,
David Stern, nach dem Comeback von Magic lauthals jubelte: "Ich wußte, daß die beiden zurückkehren würden." Die beiden Superstars der Liga, von denen viele sagen:
Sie sind die einzigen. Noch?
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