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Liebe und Hass

In Chicago glaubt man, sie würden perfekt zueinander passen: Jalen Rose und die Bulls. Nur, das haben auch schon andere Teams gedacht!

Text: Jan Hieronimi

Als er damals von dem Trade erfährt, hat Jalen Rose nur einen Gedanken: bloß weg hier! Raus aus Indianapolis! Er packt seine Klamotten, springt in den riesigen Hummer-Jeep und brettert die Interstate 65 hinunter, auf direktem Weg in seine neue Heimatstadt: Chicago, Illinois! Wo früher MJ und Pippen Meistertitel feierten, ist Rose zum Dasein im Tabellenkeller verurteilt, beim schlechtesten Team der Liga. Wahrlich kein Traumjob!
Nur, wer später in Chicago einen unmotivierten, frustrierten Jalen erwartet, sieht sich getäuscht. "Ich weiß, ihr dachtet alle, dass ich hier ankomme und ausflippe", grinst er bei seinem Antritt die wartenden Journalisten an. Doch statt zu meckern und abzulästern, marschiert er vom Freeway direkt zum Training, holt sich seine neue Uniform ab und lässt seinen Ärger abends an den New York Knicks aus. Mit beeindruckendem Resultat: Die Bulls gewinnen 113:109, Jalen macht 36 Punkte, zwei Rebounds und sechs Assists. Und sagt danach: "Das war mein Statement. Alle Leute sollten sehen, dass ich ein Kämpfertyp bin. Ich wurde zwar zum schlechtesten Team der NBA getradet, aber ich ziehe die Sache durch!"
Der Rest der Saison ähnelt einem Kreuzzug: Jalen als Leader, als Star der jungen Bulls, der seinen Punkteschnitt um fünf Zähler auf 23 pro Spiel steigert. Persönlicher Rekord.
Gleichwohl, der Schmerz über den Trade bleibt. Schließlich ist es nicht irgendwer gewesen, der Jalen abgeschoben hat, sondern Pacers-Coach Isiah Thomas, eine Art Ersatzvater für Jalen seit seinen Teenager-Tagen in Detroit. Für ihn hatte er sich eingesetzt, als bei den Pacers im Jahr 2000 der Trainerposten frei wurde. "Wegen mir wird niemand gefeuert oder eingestellt, aber ich bin schon eine der Figuren in diesem Spiel", sagte er damals dazu.
Umso größer war die Enttäuschung, als die Spannungen zwischen Jalen und seinem Jugendidol wuchsen. "Ich weiß selber nicht, ab wann es schief lief", erzählt er. "Offenbar kannte ich ihn nicht so gut, wie ich dachte. Und ehrlich gesagt: Es ist ja nichts Neues, dass er ein bisschen verlogen ist!"

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